Grundwasserentnahme auf den Inseln

Bewohner und Gäste von fünf der sieben Ostfriesischen Inseln beziehen ihr gesamtes Trinkwasser aus einer unter der jeweiligen Insel gelegenen "Süßwasserlinse". Die Inseln Baltrum und Wangerooge werden über eine Festlandsleitung mit Trinkwasser versorgt, nur für Notfälle stehen eigene Grundwasserbrunnen zur Verfügung.
Feuchtes Dünental auf einer Ostfriesischen Insel
Feuchte Dünentäler zeigen Grundwasservorkommen an
© Nationalparkverwaltung Nds. Wattenmeer

Die jährlichen Fördermengen der einzelnen Inseln betragen:
Spiekeroog ca. 140.000m³
Juist ca. 300.000m³
Langeoog ca. 330.000m³
Borkum ca. 800.000m³
Norderney ca.900.000m³

Ein geringer Teil davon deckt den Bedarf der Insulaner, der wesentliche Anteil wird vom Gastgewerbe verbraucht.

Wie ist es möglich, dass sich auf einer von Salzwasser umschlossenen Insel ein so großes Süßwasserreservoir halten kann, das allein aus der Versickerung des Niederschlagswassers gespeist wird?

Das Phänomen beruht auf der Tatsache, dass das Süßwasser mit seinem geringeren spezifischen Gewicht auf dem Salzwasser "schwimmt". In den mächtigen Sandschichten, die unter den Inseln liegen, konnten sich so Grundwasserkörper bilden. Diese uhrglasartig aufgewölbte Süßwasserlinse wird seitlich und in der Tiefe von Salzwasser begrenzt. Die Grenzschicht bildet eine relativ stabile, 2- 3m mächtige Mischwasserzone. Ausdehnung, Form und Lage der Linse werden in erster Linie durch die Höhe bzw. Menge des versickerten Niederschlags, die Vegetationsbedeckung und den unterirdischen Austritt von Süßwasser ins Meer bestimmt.

Gefährlich für die Süßwasserlinse können z. B. bei Sturmfluten Salzwassereinbrüche in die Dünenkette werden, da sie zu einer Versalzung des Grundwasser führen. Die vom Land Niedersachsen durchgeführten Küstenschutzmaßnahmen auf den Inseln dienen daher auch dem Schutz der Trinkwasserversorgung.

Die Süßwasserlinse können Sie sogar "sehen": In tiefer gelegenen Dünentälern und im Bereich des Dünenfußes tritt an einigen Stellen das Süßwasser oberirdisch zutage und zeigt sich in den feuchten Dünentälern als kleine Wasserfläche oder in Form kleiner Schilfbestände.

Eine übermäßige Grundwasserentnahme aus der Süßwasserlinse kann nachhaltig in den gesamten Wasserhaushalt der Düne eingreifen und besonders den Lebensraum "Feuchtes Dünental" gefährden. Gemeinsames Ziel von Naturschutz und Wasserwirtschaft ist es daher, durch schonenden Umgang mit der Süßwasserlinse den dauerhaften Bestand der typischen und speziellen grundwasserabhängigen Lebensräume zu gewährleisten und gleichzeitig die Trinkwasserversorgung von Insulanern und Gästen sicherzustellen.