Salzwiese
Dieser Lebensraum stellt besondere Anforderungen an Pflanzen und Tiere. Er liegt nur wenig über dem mittleren Hochwasserstand und wird jährlich 10 - 250 mal von Salzwasser überflutet.
Salzwiesen entstehen, weil jede Flut Schwebteilchen ins ufernahe Watt schwemmt. Wenn zur Hochwasserzeit die Strömung für kurze Zeit ruht, sinkt feines Material ab und bildet nach und nach eine Schlickschicht. Wenn der Schlick hoch genug angelandet ist, siedelt sich der Queller an - eine sogenannte Pionierpflanze.
Nach und nach wächst das Land vor dem Deich höher, im Mittel etwa 1 cm pro Jahr. Bald wird es nicht mehr von jedem täglichen Hochwasser überflutet und mehr und mehr Pflanzen können Fuß fassen. Die Menschen an der Küste versuchen seit langem, den natürlichen Landzuwachs der Salzwiesen zu unterstützen und zu beschleunigen. Parallel verlaufende Gräben ("Grüppen") entwässern das Vorland, mit Reisig verfüllte Pfahlreihen ("Lahnungen") halten Schlick fest.
Vor den schleswig-holsteinischen Deichen und auf den nordfriesischen Halligen gibt es über 10.000 Hektar Salzwiesen. In Niedersachsen sind es mehr als 8.000 ha vor den Küstendeichen und an der Südseite der Inseln.
An, in und von den Salzwiesenpflanzen leben 1.650 Arten hochspezialisierter, wirbelloser Tiere: Insekten, Milben, Spinnen und Gewürm. 250 von ihnen sind sogenannte endemische Arten. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf einen sehr kleinen Teil der Welt beschränkt: die Salzwiesen des Wattenmeeres. Für die Küstenvögel sind die Salzwiesen ein Brutgebiet von internationalem Rang. Über 100.000 Brutpaare werden im Nationalpark jährlich gezählt
Bis Ende der achtziger Jahre war das Bild der Salzwiesen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste geprägt von weidenden Schafen und kurzgefressenen Gräsern. Inzwischen werden 45 % der Salzwiesen nicht mehr beweidet. In Niedersachsen sind 70% der Salzwiesen ungenutzt. Das Ergebnis sind ungestörte Naturvorgänge, zunehmende Brutvogelbestände und ein buntes Blütenmeer im Sommer.
- Natur des Wattenmeeres
- Niedersächsisches Wattenmeer
- Hamburgisches Wattenmeer
- Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

